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Interview mit Jung von Matt Creative Director Holger Oehrlich

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Mercedes, Nike, Nikon, GE, ebay, EDEKA,…. die Liste des Kundenstamms von Jung von Matt ist beinahe endlos. Seit nun mehr als 20 Jahren liefert die Werbe-, und Kommunikations-Agentur JVM bahnbrechende Werbekonzepte und Kampagnen für die ganze Welt. Und dafür gibt es viele verschiedene Gründe….einer davon heißt Holger Oehrlich. Er ist Creative Director bei Jung von Matt aus Stuttgart und wir freuen uns wirklich sehr, das er sich die Zeit für ein Interview genommen hat.
Viel Spaß beim lesen und lasst euch inspirieren.

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1. Hi Holger. Was macht Jung von Matt so erfolgreich, dass sich die größten Firmen der Welt an euch wenden?

Wie soll man die Frage beantworten, ohne dass sich es komisch anhört?
Ich denke, die konsequente Haltung, das bestmögliche Konzept, die bestmögliche Kreation zu kreieren. Unser Motto „Wir bleiben unzufrieden“ trifft das ganz gut. Wir hinterfragen uns, versuchen uns immer zu verbessern. Und das funktioniert seit über 20 Jahren ganz gut. Viele unserer Kunden sind seit vielen Jahren bei uns, teilweise von Beginn an. Die Agentur hat sich hier viel Vertrauen erarbeitet, das führt auch dazu, dass der Kunde oftmals auch mutigere Konzepte ermöglicht. Und schlussendlich arbeiten hier einige der besten Kreativen, die ich bisher kennenlernen durfte.

2.Jung von Matt hat sehr viele internationale Büros. Arbeiten diese grundsätzlich an verschiedenen Projekten oder kooperieren diese auch untereinander? Oder ist es gar so, dass jedes Büro einen gewissen Geschäftsbereich abdeckt?

Jedes Büro hat zum einen seinen eigenen, festen Kundenstamm. Darüber hinaus gibt es aber auch Kundenbriefings, für die alle Ableger Ideen entwickeln. Auf Mercedes z.B. sind fast alle Satelliten beteiligt, auch aufgrund der Größe und des Etatumfangs. Und natürlich hilft man sich auch bei kapazitären Engpässen aus.

Je nach Bedarf und Aufgabe gibt es zusätzliche Unterstützung von Büros, die sich auf einen Fachbereich spezialisiert haben. So haben wir Spezialisten für Corporate Design (JvM Brand Identity), Musik (White Horse Music), einen reinen Digitalableger (JvM/next) oder auch für Sport Sponsoring (JvM/sports) etc.

3. Ist es manchmal schwierig, die Arbeiten der Kollegen zu beurteilen ohne evtl. Gefühle bzw. den Designerstolz zu verletzen? Wie lernt man eine „richtige“ Entscheidung zu treffen?

Es ist tatsächlich manchmal nicht leicht, ein Konzept oder ein Layout abzulehnen. Jemand, der viel Zeit in eine Idee gesteckt hat, hängt natürlich auch an seinem Werk.
Davon muss man sich als Gestalter/Konzeptioner natürlich freimachen, am Ende geht es um die Relevanz und darum, dss beste Resultat zu erzielen. Ich gebe natürlich Begründungen und Argumente, warum etwas gut ist oder weniger gut, die Leute sollen dazulernen, ich sehe mich da eher als eine Art Ausbilder, der etwas mehr Arbeitsjahre auf dem Buckel hat.

Die richtige Entscheidung zu treffen hat mit vielen Faktoren zu tun. Den Kunden, sein Produkt, seine Marke, sein Anliegen zu kennen ist das Wichtigste. Interesse und Neugierde. Berufserfahrung. Dann das eigene Bauchgefühl. Bei mir macht es innerlich „klick“, man spürt, dass man jetzt etwas erarbeitet hat, das funktioniert, das gut ist. Das einem gefällt.

4. Wie hältst du dich und deine Abteilung bei „Laune“ wenn es mal wieder stressig war? Habt Ihr besondere Firmenrituale oder ähnliches?

Nach nem gewonnen Pitch, nach ner stressigen Phase, machen wir ne Auszeit, d.h. wir gehen zusammen essen, trinken, ne Party, etc. Ich gebe den Leuten auch Extra-Urlaubstage, etc.
Firmenritual in der Richtung ist z.B. auch der After Work bei uns. Das ist in vielen Agenturen so. Freitag abends, Rechner runterfahren, bei nem Bier quatschen, sich austauschen.

5. Wie unterscheidet sich die Rolle eines Direktors von der eines Designer am stärksten? Hat jeder Designer mit genug Berufserfahrung das Zeug zum Direktor?

Ein Creative Director übernimmt viel mehr die Funktion eines Managers. Ich gestalte nur noch wenig, natürlich gibt es in dem Bereich auch Ausnahmen, aber Sinn und Zweck des CDs ist es, Leute zu führen, zu verbessern, anzuleiten. Das nimmt viel Zeit in Anspruch und das geht von meinem Kreationspart ab. Aber ich vermisse das „selbergestalten“ eigentlich nicht. Es ist absolut abwechslungsreich und es macht mir großen Spaß zu sehen, was am Ende dabei herauskommt. Ich lege eher die Schlagrichtung fest, das Konzept. Und führe Kundenpräsentationen.

Ich denke nicht, dass jeder Designer das Zeug zum CD hat und das hat nichts mit dem reinen gestalterischen Potential zu tun. Man muss gerne mit Leuten umgehen können, gerne Verantwortung übernehmen und sein eigenes gestalterisches Tun auch zurücknehmen. Und das möchte nicht jeder. In Deutschland ist es leider auch ein wenig ein Karriereding. Einige haben das Gefühl, CD werden zu „müssen“, es müsste in ihren Lebenslauf. Bei mir war es eigentlich andersrum. Mir war es irgendwann nicht mehr so wichtig, meine eigene Gestaltung machen zu müssen. Ich fand es überraschend und inspirierend, andere Gestalter zu motivieren, eine größere Vielfalt zu erleben, etc.

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6. Wie wichtig ist es, deiner Meinung nach, heutzutage gut Freihand zeichnen zu können, ohne Photoshop und Co.?

Zeichnen ist – zu meinem Bedauern – in der Ausbildung etwas in den Hintergrund geraten, was sicherlich auch an der Ausbildungsbreite zu tun hat,
das Spektrum eines Designers ist heute sicherlich breiter als noch vor 20 Jahren. Ich erwarte sicher keinen Da Vinci, aber es hilft ungemein, eine Idee auch visuell für sich zu prüfen und anderen darlegen zu können. Das können ein paar Striche sein. Und da ist ein Stück Papier und ein Stift immer noch das schnellste und einfachste Mittel. Auch für einen selbst.

7. Welche Software nutzt du am liebsten und wieso?

Ich mag am liebsten Photoshop. Das mag daran liegen, dass ich ein Bildermensch bin, ich denk in Bildern, Filmen, Geschichten. Und da liegt mir dieses Tool am meisten.
Looks entwickeln, zu experimentieren, das mach ich damit einfach gern.

8. Wer inspirierte dich in frühen Jahren und zu deiner Studienzeit?

Zu meiner Zeit („hüstel“) war David Carson groß. Ich mochte damals seine Experimentierfreude, das Trashige, unverkrampfte, Mutige. Besonders mochte ich aber
Vaughan Oliver. Der hat eigentlich alle Platten meines Lieblingslabels 4AD damals gemacht, sein Designstudio hieß v23 und war in London. Das roch nach weiter Welt und schöne Sachen machen.

9. MAC oder Windows?

Ich hatte einmal nen PC, als ich noch Produktdesign studiert habe, wg. CAD, etc. Das war eine braungelbgraue Kiste. Und vorne war ne Taste mit der Aufschrift „Turbo“. Ich weiß nicht, was beim Drücken des Knopfes passieren sollte, ich konnte keinen Unterschied feststellen. Und ich fand das Ding unglaublich hässlich.
Das hat mich bis heute geprägt. Ich mag MACs. Schon aus optischen, absolut oberflächlichen Gründen 🙂

10. Hast du einen Tipp oder Rat für angehende Jung-Designer und Design Studenten?

Sucht euch – egal in welchem Bereich – die besten Adressen aus. Es gibt immer einen qualitativen Grund, warum jemand weiter vorne steht. Auch wenn das einen Stadtwechsel bedeuten sollte. Die ersten Jahre sind ziemlich entscheidend für dein Portfolio. Qualität hat nichts mit der Größe, mit der Mitarbeiterzahl zu tun. Wer einmal in einer „schlechteren“ Agentur war, bekommt in der Regel nicht die Chance etwas qualitativ besseres machen zu können und sich auch bei einem Agenturwechsel beweisen zu können. Du kannst nur so gut sein, wie die Agentur in der du arbeitest und lerne am besten von den Besten. Später ist es schwieriger, die Kurve wieder zu kriegen.

Vielen, vielen Dank Holger das du deine Erfahrungen mit uns teilst. Es ist super interessant von einem „nicht-designer“ etwas über Design-Prozesse und Firmen-Philosophien zu hören.
Für weitere Eindrücke zur Arbeit von Holger und Jung von Matt checkt auf jeden Fall die website hier.

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Verlosung – für alle Kreativen und Jung-Direktoren!

Wir verlosen ein „art helps“ book von Thomas Lupo, gesponsort von Jung von Matt. Wenn du also auf Grafik und Kunst stehst, schreibe unten deine Meinung zum Interview oder like und vor allem teile unseren Post über dieses Interview auf unserer Facebook-Seite hier, um an der Verlosung teil zu nehmen. Wir werden uns melden, solltest du der oder die glückliche Gewinner/ Gewinnerin sein.
(Teilnahmeschluss ist der 15 August)

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